Bouvard & Pécuchet

Archäologien des Lesens

Schlagwort: Sprache

Auf den Schultern von Riesen

„Nos esse quasi nanos gigantum umeris insidentes“

…meint Bernhard von Chartres schon im 12. Jahrhundert: „Wir sind wie Zwerge und wir sitzen auf den Schultern von Riesen“. Er schuf damit ein Bild für die Situation von Wissenschaftlern, die als Nachgeborene immer schon über einen besonderen Erkenntnisvorsprung verfügen, weil sie auf all dem aufbauen können (oder müssen), was ihre Vorgänger bereits erschlossen haben. In Bernhards mittelalterlicher Scholastik waren das noch die klassischen Denker der griechischen Antike und ihre lateinischen Interpreten. Der Gedanke selbst ist allerdings zeitlos und er trifft nicht nur auf die Geschichte der Wissenschaften zu, sondern auch auf Sprache und Literatur

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Schreiben zwischen den Geschlechtern

Anne Garréta: Sphinx

Können wir Intersubjektivität jenseits der Kategorien von männlich und weiblich denken? Ist es möglich, jenseits des binären Geschlechterverständnisses, das unser Leben bis in seine leisesten Manifestationen hinein dominiert, zu lieben und zu schreiben? Anne Garréta war nicht nur ihrer Zeit sondern auch unserer Gegenwart weit voraus, als sie diesen Versuch 1986 mit ihrem ersten Roman Sphinx wagte.

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Wie man Baske wird

Ibon Zubiaur: Wie man Baske wird. Über die Erfindung einer exotischen Nation (2015)

Wir sind seit vielen Jahren hier. Seit dem Mesolithikum, seit siebentausend Jahren besteht das baskische Volk; ebenfalls seit vielen Tausend Jahren spricht dieses Volk euskera, die älteste Sprache Europas.

Juan José Ibarretxe raunte diesen Satz bedeutungsschwanger im Jahr 2009, damals noch Ministerpräsident der Autonomen Region Baskenland. Ich frage mich, ob ich unter diesen Umständen überhaupt Baskin „werden“ könnte und was ich wohl tun müsste, um mich selbst als solche zu „erfinden“.

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