Man könnte sich ein Thema wählen, die dazugehörigen Quellen erschöpfend studieren und genau analysieren – und sie dann zu einer Erzählung verdichten, die, gleichsam als verkürzter Abriss des Gesamtverlaufs, doch die ganze Wahrheit widerspiegele. Etwas derartiges schien Pécuchet machbar.

(Gustave Flaubert: Bouvard & Pécuchet)

Eine Sichtung des heimischen Bücherregals führt meistens dazu, dass sich Themenbereiche herauskristallisieren, auf die man im Laufe seines Leselebens immer wieder zurückkommt. Auf Bouvard & Pécuchet habe ich hierzu die Rubrik Grabungsfelder angelegt, in der ich Lektüren in thematische Zusammenhänge stelle.

Das hat mehrere Vorteile: Zum einen bietet ein themenbezogener Blickwinkel die Gelegenheit zu so mancher Zweitlektüre. Zum anderen können Büchern ganz neue Seiten abgewonnen werden über Bezüge, die sich zwischen ihnen herstellen lassen. Ob zum Beispiel ein Roman über Kriegserfahrungen von einem Zeitzeugen oder einem Vertreter der zweiten oder dritten Generation geschrieben wurde, spielt durchaus eine Rolle, wird bei der selektiven Lektüre aber kaum wahrgenommen. Während das punktuelle Lesen meist ein Selbstgespräch bleibt, beginnen Bücher im Kontext, einander Fragen zu stellen, miteinander in Dialog zu treten und das Thema sich dadurch von selbst zu vertiefen. Und schließlich lassen sich im systematischen Überblick bestimmte Facetten einer Thematik, die noch unberücksichtigt geblieben sind, leichter ausmachen und entsprechend ergänzen.

Und doch wird die Literaturauswahl immer subjektiv und das Grabungsfeld unerschöpflich bleiben. Das macht aber gerade auch seinen Reiz aus und verleiht dem Ganzen die persönliche Note.1

Die Beiträge dieser Rubrik bestehen aus einem redaktionellen Teil, in dem die einzelnen Buchtitel in knapper Form in einen Kontext gestellt werden, und einem Literaturverzeichnis, das bereits gelesene Bücher ebenso umfasst wie noch geplante Lektüren. Aufgeführt werden jeweils die Originaltitel und – wenn verfügbar – auch die Titel der deutschen Übersetzungen.

Das erste Grabungsfeld beschäftigt sich mit einer besonders einschneidenden Phase der deutsch-französischen Geschichte:

Die „Drôle de guerre“ und ihre Folgen: Frankreich zwischen Anpassung und Widerstand (1939-45).


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