Bouvard & Pécuchet

Archäologien des Lesens

Kategorie: Fragmente

„E-Books sind für Erwachsene“

Die Frage „gedrucktes Buch oder E-Book?“ ist eine Glaubensfrage, die leidenschaftliche Leserinnen und Leser zehn Jahre nach dem Durchbruch des E-Readers immer noch ähnlich stark bewegt wie die Frage „bio oder industriell?“ den bewussten Konsumenten. Die Romantiker unter ihnen zelebrieren Haptik und Optik des klassischen Buches. Die Technikaffinen setzen auf Komfort, Barrierefreiheit und elektronischen Minimalismus beim Lesen, jedenfalls solange der Akku reicht.

2012 habe ich mir meinen ersten E-Book-Reader zugelegt, fünf Jahre später den zweiten. Noch immer lese ich sowohl gedruckte Bücher als auch elektronische, denn gerade für fremdsprachiges Lesen bieten letztere Vorzüge, die ich nicht mehr missen möchte. Allerdings geht es mir hier nicht um die Vor- oder Nachteile der beiden Medien, sondern um eine ganz andere Frage: Spielt es eine Rolle, ob man den Inhalt eines Buches in gedruckter Form oder in Gestalt der Pixelkompositionen von liquid crystals oder E-Ink zu sich nimmt?

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Auf den Schultern von Riesen

„Nos esse quasi nanos gigantum umeris insidentes“

…meint Bernhard von Chartres schon im 12. Jahrhundert: „Wir sind wie Zwerge und wir sitzen auf den Schultern von Riesen“. Er schuf damit ein Bild für die Situation von Wissenschaftlern, die als Nachgeborene immer schon über einen besonderen Erkenntnisvorsprung verfügen, weil sie auf all dem aufbauen können (oder müssen), was ihre Vorgänger bereits erschlossen haben. In Bernhards mittelalterlicher Scholastik waren das noch die klassischen Denker der griechischen Antike und ihre lateinischen Interpreten. Der Gedanke selbst ist allerdings zeitlos und er trifft nicht nur auf die Geschichte der Wissenschaften zu, sondern auch auf Sprache und Literatur

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Zweckfreie Kunst?

Die Frage, ob Kunst nützlich sein kann, soll oder darf, wird in Philosophie und Literaturtheorie seit Jahrhunderten kontrovers diskutiert. Wenn Kant in seiner Kritik der Urteilskraft (1790) in Bezug auf die Schönheit vom “interesselosen Wohlgefallen” spricht, meint er damit, dass Kunst nicht zweckgebunden sein, nicht funktionalisiert werden darf. Aber ist das wirklich so einfach?

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Brüche

Wie viele zwischenmenschliche Beziehungen – zu Freunden, Verwandten, aber auch Partnern – gehen im Laufe eines Lebens verloren? Lose Kontakte verflüchtigen sich  oft stillschweigend, heute vermutlich weniger bedingt durch trennende Entfernungen, als durch chronischen Mangel an Zeit oder an dem was tiefer verbinden könnte. Daneben gibt es aber auch die einschneidenden Erfahrungen, den Bruch, der einer oft langjährigen Beziehung ein jähes und schmerzliches Ende bereiten kann.

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Sportliche Nostalgien

Sport ist heute ein technologisch hochgerüstetes und konsumierbar gewordenes Massenphänomen. Umso mehr lässt sich aber auch wieder ein Trend zurück zum Einfachen feststellen: Calisthenics hat zum Beispiel die Parkbank und die Teppichstange als Sportgeräte für sich entdeckt und im Crossfit werden Sandsäcke, Strohballen und Traktorreifen gewuchtet, gestemmt und geschleift. Diese reduzierten Mittel leisten oft mehr als teure Fitnessmaschinen. Dazu kommt der Reiz des Ursprünglichen, die Nähe zur Natur und das besondere Gefühl der Freiheit, mit dem zu trainieren was eben zur Hand ist.

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